Sicherheit

Angriffsfläche klein halten, Sicherheitsmeldungen richtig einordnen.

Was sollte von außen erreichbar sein?

Jeder offene Port ist eine Tür. Die Frage ist nicht „was ist offen?“, sondern „was muss offen sein?“.

Prüfen: den eigenen Anschluss mit dem Port-Check, eigene Server mit dem Port-Scan (Premium).

Typisch in Ordnung

Port Dienst Hinweis
80, 443 Webserver 80 nur zur Weiterleitung auf HTTPS
25 Mailserver (Empfang) nur auf dem Mailserver selbst
465, 587 Mailversand für Nutzer mit Anmeldung
993 IMAP mit TLS statt 143 ohne TLS
51820/udp WireGuard VPN statt vieler einzelner Dienste

Nie direkt ins Internet

Port Dienst Warum
3389 Remotedesktop (RDP) einer der häufigsten Einbruchswege für Ransomware
445, 139 Windows-Freigaben (SMB) Würmer wie WannaCry
5900 VNC oft schwache oder keine Passwörter
3306, 5432, 1433, 27017, 6379 Datenbanken Datenabfluss, oft ohne Anmeldung erreichbar
8006, 9090, … Verwaltungsoberflächen (Proxmox, Cockpit, Router) Lücken in solchen Oberflächen werden gezielt gesucht

Für den Zugriff von außen: VPN (WireGuard, OpenVPN, IPsec) und die Dienste nur dahinter erreichbar machen.

SSH

Wenn SSH offen sein muss:

IPv6 nicht vergessen

Viele Router leiten IPv4 per Portfreigabe weiter, öffnen IPv6 aber über eine eigene Firewall-Regel. Ein Gerät kann also per IPv6 erreichbar sein, obwohl IPv4 dicht ist. Den Port-Check über ip6.ngosu-corp.de/ports laufen lassen.

Sicherheitsmeldungen lesen: CVE, CVSS, EPSS, KEV

Jede Woche erscheinen hunderte neue Sicherheitslücken. Alles sofort zu patchen ist unmöglich. Diese vier Begriffe helfen beim Sortieren. Das Sicherheitslagebild zeigt sie für jede Lücke an.

CVE: die Kennung

CVE-2024-3400 ist die weltweit eindeutige Nummer einer Lücke. Damit findest du Herstellerhinweise, Patches und Berichte. Die Nummer allein sagt nichts über die Gefahr.

CVSS: wie schlimm wäre es?

Der CVSS-Wert (0 bis 10) beschreibt die Schwere, falls die Lücke ausgenutzt wird:

Wert Stufe
9,0 bis 10 kritisch
7,0 bis 8,9 hoch
4,0 bis 6,9 mittel
unter 4 niedrig

Wichtiger als die Zahl ist oft der Vektor dahinter, z. B. AV:N/AC:L/PR:N/UI:N: über das Netz (AV:N), einfach (AC:L), ohne Anmeldung (PR:N), ohne Zutun eines Nutzers (UI:N). Das ist der gefährlichste Fall. Das Lagebild übersetzt den Vektor in Klartext.

EPSS: wie wahrscheinlich ist ein Angriff?

EPSS schätzt die Wahrscheinlichkeit, dass eine Lücke in den nächsten 30 Tagen tatsächlich ausgenutzt wird. Die meisten Lücken liegen unter 1 %. Ein Wert von 10 % oder mehr ist ein deutliches Warnsignal, auch wenn der CVSS-Wert nur „mittel“ ist.

KEV: wird schon angegriffen

Der KEV-Katalog der US-Behörde CISA listet Lücken, die nachweislich aktiv ausgenutzt werden. Für Bundesbehörden gilt dort eine Frist zum Patchen, meist zwei bis drei Wochen. Für alle anderen gilt: KEV-Einträge zu eigenen Systemen haben Vorrang vor allem anderen.

Reihenfolge in der Praxis

  1. Betrifft es mich? Produkt und Version prüfen. Die Merkliste im Lagebild mit Versionsangabe nimmt dir das ab.
  2. KEV oder hoher EPSS-Wert: sofort patchen oder abschotten.
  3. Kritisch und aus dem Internet erreichbar: innerhalb weniger Tage.
  4. Rest: im normalen Update-Rhythmus.

Bei aktiv ausgenutzten Lücken nach dem Patch auch nach Angriffsspuren suchen. Wer schon drin war, bleibt es sonst trotz Update. Die Detailseite im Lagebild hat dafür eine Checkliste.